Die Antwort ist 42...


Vor kurzem sind mir eine Anzahl EL42 und auch E283CC zugefallen. Mit zwei EL42 in einer Gegentaktendstufe kann man etwa 7W Ausgangsleistung erreichen. Die E283CC ist eine Langlebeversion der ECC83 mit ansonsten identischen Werten bei allerdings abweichender Pinbeschaltung. Außerdem ist die Spanngitterröhre E283CC als "brumm- und mikrofoniearm" charakterisiert. Damit sollte sie sich bestens als Eingangsröhre eignen.

Plan
Der Plan (...als PDF)

<Top>

Netzteil:

Alle sekundären Anschlüsse sind mit dem jeweiligen Nennstrom des Trafos abgesichert,

Die Heizspannung ist über einen Spannungsteiler "hochgelegt", um Brummeinstreuungen durch die Heizung zu verringern. Bei einem anderen Projekt ("Slag `67") war dadurch im Vergleich zur "normalen" Symmetrierung (...Schleifer des Potis an Masse) in Sachen Brummen eine deutliche Verbesserung zu bemerken. Der Effekt ist allerdings etwas vom Röhrentyp abhängig. Als Begründung habe ich im Internet gelesen, dass die Isolationsmasse zwischen Heizfaden und Kathode einen nichtlinearen spannungsabhängigen Widerstand hat. Die Isolation ist am besten, wenn die Heizung gegenüber der Kathode um etwa 30-40 Volt höher liegt . Entsprechend geht das Brummen durch das "Hochlegen" zurück. Als Nebeneffekt können sich die Elkos nach dem Abschalten des Verstärkers über die Widerstände des Spannungsteilers entladen ("Bleeder").

Die Spannungen für Vorstufe, Phasendreher / Schirmgitter und die Annodenspannung der Endröhren werden parallel hinter dem Standbyschalter abgegriffen. Die Drossel ist vor der Spannungsversorgung der Endröhren angeordnet. Die DR1 von Welter Electronic verträgt 220mA - ausreichend für die knapp 60mA in diesem Verstärker.

Der Netztrafo ist ein "TRA200" von Jan Wüsten mit Sekundärspannungen von 230V~, 20V~ sowie 6,3V~. Die ersten beiden Wicklungen kann man auch in Reihe schalten und erhält dann 250V~ und je nach Last etwa 340V Leerlauf-Gleichspannung. In diesem Projekt habe ich allerdings nur die 230V~ Wicklung benutzt. Damit ergibt sich eine Gleichspannung von etwa 302V - oberes Ende für die EL42. Zieht man den Spannungsabfall von etwa 17V über dem gemeinsamen Kathodenwiderstand der Endröhren ab, ergibt sich allerdings eine effektive Anodenspannung von lediglich ca. 285V (...siehe Anmerkung!)

Der "TRA200" liefert bis zu 4A Heizstrom. Diese werden im Verstärker jedoch nur zu einem Viertel ausgenutzt. Die EL42 wurde als eine sparsame Röhre z.B. für Autoradios entwickelt und benötigt nur 200mA Heizstrom - sogar weniger, als die ECC83/12AX7/E283CC in der Vorstufe. Folge: Mangels Belastung ergibt sich im Betrieb eine Heizspannung von 7V~. Für die E283CC ist im Datenblatt angegeben, dass sich Heizspannungen < 6V / > 6,6V (+/- 5%) negativ auf die Lebensdauer der Röhre auswirken. Deshalb habe ich den im Plan gestrichelt gezeichnete Widerstand von 0,47Ohm/4W eingefügt, der die überzähligen 0,7 Volt in Wärme verwandelt.

<Top>

Schaltung:

Die Audioschaltung ist nicht besonders spektakulär und orientiert sich an bekannten Fender Schaltungen. Lediglich die Ansteuerung der Klangregelung über eine Impedanzwandlerstufe ist bei Verstärkern dieser Größenordnung vielleicht ungewöhnlich. Das Prinzip kennt man ja vom Tweed Bassman oder von Marshall. Es erschien mir sinnvoll, das noch freie System der Eingangsröhre für diesen Zweck zu nutzen.

Ansonsten gefallen mir klanglich Verstärker mit Split-Load Phasendreher und Endstufe mit Kathodenbias. Diese Elemente findet man oft bei Fender Verstärkern der "Tweed" Ära. Gegenüber späteren Modellen setzt hier die Verzerrung etwas früher ein und man hat eine leichte Kompression des Tons, weil der Gleichspannungsabfall über dem gemeinsamen Kathodenwiderstand der Endröhren bei lautem Spiel etwas ansteigt (...daran sieht man auch, dass "Kathodenbias" nicht gleich "Class A" ist - das nur nebenbei). Diese "Kompression" könnte man noch unterstützen, indem man die Kapazität der Elkos im Netzteil z.B. halbiert und vielleicht eine Gleichrichterröhre statt der Halbleiterdioden benutzt- Stichwort "Sag".  Diesmal ist das Netzteil allerdings etwas "strammer" ausgelegt.

Wichtig war mir auch, Regler für Treble und Bass zu haben. Zwar kann auch ein einfaches Tonepoti schon recht effektiv sein, aber der Charakter der Verzerrung hängt -finde ich- sehr vom Anteil der tiefen Frequenzen im Signal ab. Wichtig gerade auch, wenn man unterschiedliche Gitarren benutzt. Die Effektivität der Klangregelung wird -denke ich- durch die gewählte "niederohmige" Ansteuerung des Tonestacks unterstützt. Diese Art der Klangregelung ist bei Fender eigentlich ein soundprägendes Element für Amps ab der "Blackface" Zeit, denn sie nimmt die mittleren Frequenzen etwas zurück.

Die EL42 benötigt in Gegentakt AB Schaltung einen Raa von 15-16k Ohm. Ich habe einen vorhandenen Übertrager für zwei 6V6 Röhren benutzt. Der Trafo (Ü1,  Welter Electronic) hat einen Raa von 8k Ohm und sekundäre Anschlüsse für 4 und 8 Ohm Lautsprecher. Auf die geforderten 16k kommt man, wenn man einen 8 Ohm Speaker an die 4 Ohm Wicklung anschließt. Die EL42 ist eine Rimlockröhre. Bei z.B. eBay gibt es recht gute Rimlockfassungen aus Keramik - allerdings leider oft ohne Kragen.

Später zugefügt: Das Verhalten bei Übersteuerung verbessert sich deutlich, wenn man Gridstopper vor den Gittern der Endröhren (47K) und vor dem Gitter der Kathodynstfe (470K) einfügt. Die Widerstände können im Layout direkt von der Lötleiste aus an Stelle der Schaltdrähte an die Röhrenfassungen angelötet werden.

<Top>

Verdrahtungsplan:

So etwa passt alles in das enge Chassis. Der Ausdruck sollte 1:1 auf ein Din A4 Blatt passen. Nicht vergessen, dass die Seitenteile später senkrecht stehen! Es wird dann etwas enger, als es jetzt aussieht...


Verdrahtungsplan
Verdrahtungsplan <...als PDF>


Bilder:

Zuerst eine Ansicht von außen. V.l.n.r sieht man den Netztrafo, die Drossel und der Ausgangsübertrager. Oberhalb des Übertragers befinden sich die Becherelkos des Netzteiles (2x32uF und 2x16uF). Der linke Elko ist durch eine Pertinaxscheibe vom Chassis isoliert. Der rechte bildet die Verbindung zum Gehäuse.


Außen
Ansicht von Außen

Hier ein Blick in das Innere. Hier geht es ziemlich gedrängt zu. Mir gefällt es aber, wenn man sich beim Layout ein paar Gedanken zur Positionierung der Bauteile machen muss und hinterher der zur Verfügung stehende Platz optimal genutzt ist.


...innen
Ansicht von Innen <groß>

Als Chassis für kleinere Projekte eignen sich hervorragend Alu U-Profile wie diese. Die Maße für das verwendete Profil betragen 30cm x10cm x5cm (3mm) - erhältlich z.B. bei Alu Meier in München.


Chassis
Chassis

Bei leichten Verstärkern wie diesem hat sich für mich eine 3-Punkt-Aufhängung als Befestigung bewährt. Das Chassis hängt an Käfigmuttern links und rechts des Bedienteiles im Holzgehäuse. Der dritte Aufhängepunkt ist am Netztrafo angebracht.


Aufhängung
Aufhängung

Trafos
Trafos

Im folgenden Bild sieht man links das Poti zum Entbrummen. Der Verstärker ist wirklich sensationell brummfrei geworden! Zwischen den beiden Endröhrenn ist die Ausgangsbuchse zu sehen. Aus Platzgründen ist es eine Cinchbuchse geworden - funktioniert bei Fender auch schon seit Dekaden...  :-)

Die Retainer für die Endröhren entstammen einem ausgeschlachteten Röhrenradio.


Endröhren
Endröhren

Hier die Verdrahtung der Potis. Im ganzen Verstärker habe ich umsponnenes "Vintage" Kabel verwendet. Es soll ja auch gut aussehen...



Klangregelung
Klangregelung

Vorstufe
Vorstufe

Anoden- und Heizspannung sind sekundär mit dem Nennstrom des Trafos abgesichert. Zwischen den beiden gelben Kabeln sieht man den Widerstand zur Absenkung der etwas zu hohen Heizspannung.


Sicherungen
Interne Sicherungen
<Top>

Spannungen:

Zum Abschluss hier noch eine Tabelle mit den im Leerlauf gemessenen Spannungen. Die Werte sind auch dem PDF mit dem Schaltplan zu entnehmen:


Messpunkt
Wert
Bemerkung
Trafo Wechselspannung
230V~
Trafo TRA200 / AJF
Ausgang Gleichrichter
310V

Ausgang Drossel / Ub EL42
304V
Drossel DR1 / Welter
Ub Phasendreher und Schirmgitter EL42
296V
Ub = Betriebsspannung der Stufe
Ub Vorstufe
282V

Anode EL42
302V
Übertrager Ü1 / Welter
Anode V1 / Gitter V2
184V

Anode V3
190V

Anode V4
230V

Kathode V4
62V

Kathode EL42
16,7V

Schleifer Entbrummer
40V

Ausgangsleistung
ca. 7,5W
...beim optischen Clippingeinsatz

<Top>

Fertig:

Amp von vorne
Frontansicht - mit Logo vom Flohmarkt...

Amp von hinten
Rückansicht

Inzwischen finde ich, dass das einer meiner Favoriten werden könnte. Nicht zuletzt der Tausch des Lautsprechers gegen einen Jensen MOD 10-70 hat den Verstärker nach vorne gebracht. Die 70W Version hat einen vergleichsweise hohen Wirkungsgrad, sodass man auch mit 7.5W bei einer moderat lauten Band mithalten kann. Leider scheint der benutzte Netztrafo etwas schwach zu sein, denn er wird im Betrieb recht heiß - obwohl er leistungsmäßig eigentlich ausreichen sollte. Der eingangs vorgeschlagene Typ hat sich für dieses Projekt also als nicht optimal erwiesen.

Und hier zum Abschluss noch ein Soundfile - aufgenommen und gemischt von meinem Kumpel Benno!


Impressum

[Top | Home]