Transmitionlinelautsprecher MTL 138


Nachdem ich das Projekt meines Audioverstärkers abgeschlossen hatte, kam die Frage nach passenden Lautsprecherboxen auf. Nach einigem Suchen habe ich mich entschieden, es mal wieder mit einem Selbstbauprojekt zu versuchen. Gefunden habe ich dann die Transmitionlinebox MTL 138 - ein Bauprojekt aus der Zeitschrift Hobby HiFi.  Diese war für mich aus folgenden Gründen interessant:

Außerdem passen die Abmessungen der Boxen optimal zum geplanten Aufstellungsort in meinem Zimmer.

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Aufbau

Im Internet gibt es verschiedene Dokumentationen zum Aufbau der Boxen. Vielleicht sind ja die nachfolgenden Tipps trotzdem noch hilfreich.

Als erstes habe ich die Frequenzweichen aufgebaut. Als Grundplatte wurde jeweils ein Stück Pertinax benutzt - man kann statt dessen sicherlich aber auch Holz benutzen. Zum Anlöten der Bauteile und der Leitungen habe ich Lötösen mit jeweils drei Lötfahnen genommen, die ich aus dem Verstärkerbau übrig hatte. Die dicken 4mm Schrauben, die auf dem Foto zu sehen sind, sind natürlich nicht erforderlich und etwas "oversized". Die Bohrungen der vorhandenen Lötösen hatten aber nun mal größtenteils diesen Durchmesser.

Die Frequenzweiche von vorne
Frequenzweiche von vorne

Gerade die Spule in Reihe mit dem Tief-/Mitteltöner ist recht schwer und sollte gut auf der Grundplatte befestigt werden. Die Spulen sind mit doppelseitigem Teppichklebeband aufgeklebt und mit Kabelbindern gesichert. Eine eiserne Schraube durch das Mittelloch des Spulenkörpers sollte vermieden werden, weil sie die Induktivität der Spule verändern würde. Die großen Kondensatoren sind mit Silikon gegen Klappern und Abfallen geschützt. Die Platinen werden später hinter dem Konuslautsprecher im Gehäuse befestigt. Die Befestigungslöcher sollte man vorbohren, bevor man die Box zusammen baut.

Die Frequenzweiche von der
            Rückseite aus betrachtet
Rückseite der Weiche

Als Abstandshalter auf der Rückseite der Platinen dienen Filzgleiter und -streifen, die ich mir im 1€-Shop besorgt habe. Die beiliegende Filzplatte konnte man in passende Streifen schneiden. Die runden Gleiter habe ich zur Unterstützung der Fläche benutzt.

Das Verleimen der zugeschnittenen Bretter für die Box klappt tatsächlich ohne Schrauben! Allerdings braucht man jede Menge passender Schraubzwingen. Die glatten zu verleimenden Flächen habe ich jeweils mit einer Raspel etwas aufgeraut, damit die Verleimung besser hält. Alle runden Ausschnitte für die Lautsprecher und die Reflexrohre habe ich vor dem Verleimen ausgesägt. Bei den Hochtönern muss man aufpassen, dass man das Loch nicht zu groß schneidet, weil sonst ggf. zu wenig Raum für die Bohrungen der Befestigungsschrauben übrig bleibt. Auch waren die beiliegenden Schrauben viel zu groß für den kleinen Tweeter.
Der Rand des Tieftöners lässt sich beim Einbau gut mit Tesa Moll abdichten. Das Dichtband passt genau in den Blechkanal hinter den Befestigungslöchern im Chassis.
Die Anschlussterminals sind bei mir direkt unterhalb der Weichen platziert, damit sich der vorhandene Schalter für den Hochtonpegel gut bedienen lässt.

Blich in die offene Lautsprecherbox
Blick in die offene Box

Die Dämmung der Box soll hinter dem Tief-/Mitteltöner am stärksten sein und auf dem halben Meter darunter langsam auslaufen. Das Dämmflies ist an der Wand der Box mit Silikon fixiert. Von oben wird die Dämmung von einem Draht in Position gehalten. der locker zwischen zwei Schrauben oben und unten im Gehäuse gespannt ist. So bleibt sie hoffentlich dauerhaft in Position...

Skizze für den Zuschnitt der
            Dämmung
Skizze für den Zuschnitt der Dämmung

Die Dämmung sollte im Verhältnis 145g zu 35g zwischen Box und Helmholtzkammer aufgeteilt werden. Ich habe die drei dem Bausatz beiliegenden Fließe so zugeschnitten:
  • Fließ 1 der Länge nach in zwei Streifen zu je 14cm Breite; der verbleibende schmale Streifen wird geteilt
  • Fließe 2 + 3 quer in vier Streifen zu je 14cm Breite; die verbleibenden ca 40cm werden geviertelt

Für die Box selbst werden jeweils ein langer und vier kurze Streifen verwendet. Die Helmholtzresonatoren werden dann zu gleichen Teilen mit den restlichen Stücken gefüllt.
Eine Seitenwand habe ich abnehmbar gemacht und verschraubt. Für die Dichtung habe ich ein zwei Millimeter starkes Latex-Dichtband benutzt.
Dichtband

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Höreindruck

Wie gesagt betreibe ich die Lautsprecher an einem Röhrenverstärker mit entsprechend hohem Innenwiderstand. Das Ausschwingend der Lautsprecher wird also u.U. nicht so bedämpft, wie bei einem niederohmigen Transistorverstärker. Das hat z.B. Auswirkungen auf den Basssound.

Zuerst fällt auf, wie tief die Lautsprecher in den Basskeller hinab reichen. Die Tiefen klingen dabei eher weich und voll - je nach Geschmack mag man sich für Popmusik im Bassbereich vielleicht auch eine Spur mehr Kontur und Fokus wünschen (s.o.).
Gerade für Jazz und Blues gefällt mir der Sound sehr gut. Der Kontrabass ist bis zum tiefen E voll da; eine wahre Freude! "Play Bach" oder auch Norah Jones machen in dieser Hinsicht richtig Spaß. Auch der Gesang -Maß der Dinge in Hinsicht von Verfärbungen durch Resonanzen- kommt sehr natürlich 'rüber.
Aus dem Bereich Klassik habe ich zum Beispiel gerade die Petite Symphonie von  Frank Martin gehört. Hier fand ich sowohl die Auflösung im Stereopanorama als auch in der räumlichen Tiefe beeindruckend. Alle Solisten und Instrumentengruppen waren hervorragend zu orten und das Orchester breitet sich eindrucksvoll vor dem Hörer aus.

Wenn man im "Sweet Spot" sitzt fällt allerdings auf, dass sich das Klangbild auf der vertikalen Achse mehr oder weniger deutlich ändert, wenn man den Kopf hebt oder senkt. Ich vermute, dass es im Überlappungsbereich zwischen Hoch- und Tieftöner je nach Abhörposition zu Auslöschungen aufgrund von Laufzeitunterschieden des abgestrahlten Schalls kommt. Man ist also ein wenig an die optimale Hörposition gefesselt. Ggf. muss man die Boxen so kippen, dass man bequem sitzen und lauschen kann. Beim Nebenbeihören im Raum fällt dieses "Manko" aber kaum ins Gewicht.
Für mich sind die Speaker jedenfalls genau richtig und vom Preis- Leistungsverhältnis wohl nur schwer zu übertreffen :-)

Ansicht der fertigen Box

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