Sovreverb


Bei diesem Verstärker habe ich -mit Ausnahme der ECL80- russische Röhren verwendet. Die 6n2p ähnelt der ECC83/12AX7, die 6j32p entspricht der EF86 und die 6p1p kommt der 6V6 recht nahe. Dieser Low-Gain-Verstärker erreicht etwa 10W Ausgangsleistung. Zusammen mit einem effizienten Lautsprecher lässt sich damit schon eine Menge Lärm machen.

Die hier gezeigten Infos sind nicht als Bauanleitung gemeint, sondern als Anregung, wie man's machen könnte...



Schaltung
Schaltplan <...als PDF>

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Schaltung:

Die allgemeine "Topologie" der Schaltung ist grundsätzlich nicht neu und erschließt sich sicherlich recht schnell. Möglicherweise gibt es aber ein paar interessante Details - eines davon z.B. gleich in der Eingangsstufe. Diese ist mit einer 6n2p Doppeltriode in Kathodenbasisschaltung und direkt gekoppeltem Kathodenfolger aufgebaut. Um eine möglichst hohe Verstärkung zu erreichen, habe ich bei der ersten Stufe "Bootstrapping" angewandt. Grund war, dass ich den Triodenteil der ECL80 als Aufholverstärker hinter der Klangregelung nutzen wollte. Um diese Röhre mit ihrer geringen Verstärkung -hier etwa 15-fach- an dieser Stelle einsetzen zu können, musste die erste Triode zur Kompensation umso mehr Gain aufweisen. So wie beschrieben kommt man mit der ersten Röhre auf etwa 80-fache Verstärkung und damit ist die Gesamtverstärkung hinter der EC(L)80 ausreichend.

Die Vorstufe prägt durch ihren Aufbau den Sound des Verstärkers. Durch die hohe Verstärkung der ersten Stufe wird der Kathodenfolger schon an dieser Position so angefahren, dass eine gewisse Kompression auftritt. Dagegen ist die EC(L)80 hinter der Klangregelung nur schwer zu übersteuern. Der Verstärker bleibt recht lange clean; bei höheren Lautstärken steht die Verzerrung der Endstufe im Vordergrund.

Das Gebilde zwischen Gitter und Kathode ist eine Neon-Glimmlampe. Diese sorgt dafür, dass beim Einschalten und während des Aufheizens der Röhren die Spannungsdifferenz zwischen Kathode und Gitter nicht zu hoch werden kann (...Funkenüberschlag / "Arcing").


Logo vom Flohmarkt
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Die als Halltreiber benutzte ECL80 hat für Triode und Pentode nur einen gemeinsamen Kathodenanschluss. Man könnte den Gittern jeweils eine feste Vorspannung aus einem Netzteil zuführen und die Kathode an Masse legen. Oder man macht es wie hier automatisch mit einem geteilten Kathodenwiderstand. Die Summe beider Widerstände ergibt den Kathodenwiderstand für die (...als Triode beschaltete) Pentode. An dem oberen Widerstand fällt die Gittervorspannung für die Triode ab. Der Volumenregler ist gleichzeitig Gitterableitwiderstand für die Triode der EC(L)80. Wechselspannungsmäßig liegt das untere Ende zusammen mit der Klangregelung über den 50uF Kondensator an Masse. Gleichspannungsmäßig liegt dieser Punkt jedoch auf etwa 2,2V, während die Kathode auf 6,3V liegt. Daraus ergibt sich für die Triode eine Gittervorspannung von etwa 4V. Der 220uF Elko darf nicht kleiner gewählt werden, weil sonst eine Art "Motorboating" auftritt.

Dahinter wird ein Teil des Signals abgegriffen und auf die Treiberstufe für die Hallspirale geführt. Der mit 330pF verhältnismäßig kleine Koppelkondensator sorgt dafür, dass der Pegel im Eingang der E(C)L80 zu tiefen Frequenzen hin mit 6dB/Okt. abfällt. Damit wird der Einfluss der  Induktivität der Erregerspule im Eingang der Hallspirale kompensiert. Der folgende Spannungsteiler stellt den Eingangspegel des Halltreibers ein. Hier bin ich noch nicht ganz sicher, ob das Verhältniss der Widerstände so o.k. ist. Die Hallspirale soll mit einem Nennstrom von ca. 30mA angesteuert werden. Angeblich kann die Aussteuerung um den Faktor 10 steigen, ohne den Eingang zu überfahren. Um die Nebengeräusche gering zu halten, sollte die Hallfeder möglichst hoch ausgesteuert werden. Spielt man leise, soll die Aussteuerung in dieser Hinsicht noch hoch genug sein. Wenn der Verstärker hingegen voll ausgereizt wird, soll die Hallfeder noch nicht übersteuert werden. Evtl. werden ich den 680k Widerstand noch auf 820k...1M erhöhen. So, wie es jetzt eingestellt ist, wird die Hallfeder bei unverzerrter Vollaussteuerung mit etwa 1V/100mA angesteuert. Bei starker Übersteuerung können es auch 2V/200mA werden (Eingangsimpedanz 10 Ohm) - vielleicht etwas hoch...

Die Treiber-Pentode ist als Triode geschaltet, indem das Schirmgitter per 100 Ohm Widerstand an die Anode gelegt ist. An dieser Stelle soll eine Triode gut geeignet sein, weil diese besser mit sich ändernden Lasten klar kommen. Die Belastung der Röhre durch die Treiberspule der Hallfeder ist ja stark frequenzabhängig.

Als Halltrafo kommt der Universaltrafo 125ASE von Hammond zum Einsatz. Dieser bietet auch ein Übertragungsverhältnis von 8 Ohm : 10 kOhm.



E(C)L80 als Triode
E(C)L80 als Triode


Mit den 10 Ohm der Hallfeder kommt man damit auf einen Wert von 12.5 kOhm, was etwa dem dreifachen Innenwiderstand des Halltreibers entspricht. Diesen Wert hatte ich durch Aufnahme der Kennlinien der als Triode geschalteten E(C)L80 mit meinem Neuberger Röhrenprüfgerät ermittelt.Die Hallfeder selber ist oben im Gehäuse an vier Federn eingespannt. Der sie umgebende Stoff, den man auf dem Foto sieht, bedämpft mögliche Resonanzen des Metallgehäuses und begrenzt die mechanische Auslenkung bei Erschütterungen oder beim Transport.



Aufhängung der Hallspirale
Aufhängung der Hallfeder


Die nachfolgende Aufholstufe ist auf möglichst große Verstärkung hin ausgelegt. Dafür sorgen der große 220k Anodenwiderstand und der eher "hot" eingestellt Arbeitspunkt.

Dann werden die Signals aus Vorstufe und Hallteil über Mischwiderstände summiert und es folgt eine weitere Aufholstufe, in deren geteilten Kathodenwiderstand eine Über-Alles-Gegenkopplung eingespeist wird.

Da die Endröhren keine besonders hohe Steuerspannung benötigen, bot sich ein Phasendreher in Kathodynschaltung an. Weil dafür nur eine weitere Triode benötigt wurde, habe ich mich nach etwas Suche und Überlegung für eine 6j32p/EF86 in Triodenschaltung an dieser Stelle entschieden. Wichtig ist der 47k Gridstopper. Die Endstufe geht stark Richtung A-Betrieb, sodass sich ein Gitterstromeinsatz bei Übersteuerung an dieser Stelle unschön auswirken kann. Genau beschrieben habe ich das beim "6080" Verstärker.

Zum Netzteil ist nicht viel zu sagen. Man benötigt einen Trafo mit 200V~Anoden- sowie 6,3V Heizspannung. Die Anodenspannung liegt bei etwa 270V und damit recht niedrig. Hauptsächlich wegen des Kathodenfolgers im Eingang ist die Heizspannung auf ca. 50V hochgelegt.


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Verdrahtungsplan:

Der Plan bezieht sich auf ein Tubetown Chassis Typ 006.

Verdrahtungsplan

Verdrahtungsplan <...als PDF>


Layout der Lötleiste
Anordnung der Bauteile auf der Lötleiste


Auf der Lötleiste geht es etwas gedrängter vor. als sonst. Der Einbau des 0.1uF Kondensators oben resultiert aus einem vorherigen Layoutfehler. Das kriegt ihr sicherlich noch besser hin!



Anbindung des Lautsprechers
Lautsprecherkabel


Die Anschlusskabel für den Lautsprecher verlaufen unterhalb der Lötleiste. Um möglichen Rückkopplungen vorzubeugen, habe ich die Leitungen abgeschirmt. Das erforderliche Geflecht kann man z.B. aus einem alten SCSI Kabel oder einer VGA Leitung gewinnen. Der Schirm ist einseitig an die Gehäusemasse gelegt und das Ganze in Schrumpfschlauch eingezogen.


Verdrahtung der
                Eingangsbuchse
Klinkenbuchse


Die Eingangsbuchse habe ich so verdrahtet, wie in der Grafik dargestellt. Wenn kein Stecker eingesteckt ist, liegt das Gitter der Eingangsstufe direkt an Masse. Wenn ein Klinkenkabel angeschlossen ist, geht das Gitarrensignal über den 220nF Kondensator auf das Gitter. Gleichzeitig ist das Gitter über den 1M Gitterableitwiderstand an Masse gelegt. Der übliche Gridstopper ist direkt an der Röhrenfassung angelötet.


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Weitere Bilder:

Hier noch ein Paar Einblicke in das Innere des Verstärkers und auf das eingebaute Chassis.


Sicht in das Innere
Blick in das Innere


So sieht der Amp von innen aus. Da recht viele Bauteile untergebracht werden mussten, sind die Verbindungen zwischen den Teilen z.T. durch diese selbst realisiert. Also mal nicht alles hübsch parallel...Wenn es -so, wie hier- beim Layout eng zugeht, sind die flachen Kondensatoren von Siemens (...vorne V-förmig im Bild) sehr platzsparend hochkant zu verbauen. Diese hier sind zwar nur mit 400V belastbar. Die höchste Spannung im Verstärker beträgt allerdings auch lediglich 270V=.



Das Innere aus anderer
            Perspektive
Innen aus anderer Sicht


Die Klangregelung aus der Nähe
Detailansicht der Klangregelung


Hier ein Blick auf den Tonestack. Die Klangregelung ist gegenüber dem Layout-Plan um 180° gedreht! Eine freie Verdrahtung funktioniert ganz gut, indem man weitere evtl. benötigte Lötstützpunkte hinten auf ein Poti auflötet. Die Schaltung stammt aus der Fender Brownface Ära und funktioniert für meinen Geschmack sehr gut. Wem der Amp zuviel Bass liefert, der kann z.B. den vom Kathodenfolger kommenden Koppelkondensator vor der Klangregelung auf 100nF verkleinern.



Das Chassis von Außen
Das Chassis von außen


Hier noch ein Bild vom eingebauten Verstärkerchassis. Es ist für einen Einbau hinten/unten im Gehäuse ausgelegt. Nachdem ich schon relativ viele Kisten hatte, habe ich mich entschlossen, ein Einheitsgehäuse zu bauen, in das ich wechselnde Verstärkerchassis gleicher Größe einbauen kann. Die Box ist für 1x 10" auch etwas größer ausgefallen, damit auch ein Chassis mit hohen Röhren problemlos hinein passt. Das Gehäuse ist hinten berührsicher geschlossen, sodass man auch Trafos oder Drosseln mit außenliegenden Lötanschlüssen benutzen kann. Deshalb diese ungewöhnliche Bauform - es sieht aber ja auch "vintage" aus...



Ansicht von hinten
Rückseite


Als Lautsprecher sieht man oben noch einen Eminence. Inzwischen habe ich einen Jensen 10" CH / MOD mit 70W eingebaut. Der Lautsprecher gefält mir klanglich sehr gut, hat aber vor allem einen verhältnismäßig hohen Wirkungsgrad, sodaß man sich auch mit nur 10W Verstärkerleistung gut durchsetzen kann.


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Fertig:

Hier hat der Amp seine Bühnenpremiere. Und von dieser Gelegenheit hier auch gleich ein Soundfile - zuerst Tele/Bridge, dann Tele/Neck. Der Verstärker ist für das Solo lediglich etwas angeboostet...

auf der Bühne

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